Unser Vorstandsmitglied Katharina Jones mit einem neuen Beitrag zur „Equal Pay Gap“ in „Meine Stimme Für Lichtenberg“:
Als Frau, die in Berlin aufgewachsen und sich in der alternativen Musikszene bewegt hat, hat es mich in meiner Vergangenheit in linke Kreise verschlagen. Ich kam also nicht umhin, den ein oder anderen schwelgerischen Abend mit selbsternannten Feministen (damit meine ich alle Geschlechter – also alle beide) zu verbringen. Dabei durfte ich mir diverse Tiraden über all die Themen anhören, die mich angeblich rasend machen müssten: Das Patriarchat, unbezahlte „Care-Arbeit“, struktureller Sexismus, und der Equal Pay Gap.
Wagt man es nicht, diese Narrative zu hinterfragen oder ist vielleicht auch einfach zu bequem dafür, übernimmt man diese einfach. Einige Zeit bezeichnete ich mich auch selbst als Feministin. Doch je mehr ich mich mit all den Strömungen dessen sowie mit der Realität befasste, an der diese Ideologie nun mal krachend abprallt, wurde mir klar, dass ich mich damit nicht mehr identifizieren kann. Nicht nur das, sondern ist „Feminismus“ im heutigen Diskurs nicht mehr als ein Instrument für Firmen und auch Einzelpersonen, mehr Woke-Punkte einzuheimsen.
Ein aktuelles Beispiel dafür und der Grund, warum ich auf das Thema komme, ist der vor kurzem in den Medien thematisierte „Equal Pay Day“.
Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang auch (un)gern an eine Aktion der BVG. Das Wissen über die politische Schlagseite dieses Unternehmens setze ich hier voraus; ganz auf Linie starteten sie letztes Jahr eine Aktion im Lichte des Gender-Pay-Gap-Tages, wonach Frauen an diesem Tag weniger für ihr Ticket zahlen mussten.
„[…] Ganz konkret bedeutet das, dass Frauen ganze 77 Tage länger für dasselbe Gehalt arbeiten müssen – und demnach bei gleicher Eignung im Schnitt rund 21 Prozent weniger verdienen“, schwurbelten sie herum. „Männer dürfen das Frauenticket zum Equal Pay Day selbstverständlich nicht nutzen.“ (Man möchte mit einem Augenzwinkern fragen, woher denn die BVG wissen wolle, was ein Mann und was eine Frau sei?)
Dieses Jahr sprang die Tagesschau als Negativbeispiel der von uns so geschätzten Leitmedien natürlich auf den Zug auf.
„Beim Stundenlohn beträgt sie 16 Prozent, insgesamt mit Blick auf den Arbeitsmarkt sogar 37 Prozent“, heißt es im Artikel. Erst ein wenig weiter unten, nachdem der geneigte, leicht empörte Leser diese Zahl in der Überschrift erfasst hat, wird dann erklärt: „Knapp zwei Drittel dieser Lohnlücke lassen sich laut Statistikamt durch strukturelle Faktoren erklären. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und sind öfter in schlechter bezahlten Branchen und Berufen tätig. Doch selbst bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie bleibt eine Differenz: Der bereinigte Gender Pay Gap liegt weiterhin bei sechs Prozent beziehungsweise 1,71 Euro pro Stunde. Nicht vollständig erfasste Erwerbsunterbrechungen, etwa durch Schwangerschaft, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen, könnten einen Teil davon erklären.“
Es ist sehr vielsagend, dass gerade diese Art von Menschen, die bei jeder Statistik auf jede noch so kleine zu beachtende Nuance pocht, um bloß keine eindeutige Stoßrichtung erkennen zu müssen, solche offensichtlichen und schwerwiegenden Faktoren ignoriert. Geht es hier wirklich um Aufklärung über ungerechte Zustände im Arbeitsleben zwischen Männern und Frauen oder möchte man weiter einen Keil zwischen uns treiben?
Denn wenn Ersteres der Fall ist, dann vermisse ich Berichterstattung über ganz andere Probleme. Beispielweise, dass 93,8 % aller bei Arbeitsunfällen Verunglückten Männer sind, ebenso 78,2 % der Obdachlosen. 71,5 % aller Suizide gehen auf Männer zurück. Kein Wunder, wenn seit Jahrzehnten ein legitimer Kampf gegen Männlichkeit, gegen männliche Sorgen und Probleme geführt wird und auf solche Probleme nur mit Häme reagiert wird. Solche Statistiken finden keinen Anklang bei der heutigen linken Masse.
Quellen:
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/gender-pay-gap-120.html